Der Garten- und Landschaftsbau steht vor einer weiteren Herausforderung, die häufig in der branchenbezogenen Debatte übersehen wird: Die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Angehörigenpflege wird für Fachkräfte zunehmend zum Drahtseilakt. Wer sich um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmert, während er gleichzeitig in einem körperlich anspruchsvollen Handwerk arbeitet, befindet sich in einer konfliktreichen Situation – besonders, wenn die sozialen Absicherungssysteme entsprechende Leistungen nicht ausreichend anerkennen.
Warum dieses Thema die Branche betrifft
GaLaBau-Betriebe sind auf stabilisierte, erfahrene Arbeitskräfte angewiesen. Viele Fachkräfte in diesem Sektor sind in einem Alter, in dem sie sich gleichzeitig um ältere Eltern oder pflegebedürftige Angehörige sorgen müssen. Wenn das Sozialsystem weniger Unterstützung bietet – etwa durch Rentenkürzungen für pflegende Angehörige – entsteht ein Anreiz, die berufliche Tätigkeit zu reduzieren oder ganz zu beenden. Das verschärft den ohnehin vorhandenen Fachkräftemangel in der Branche zusätzlich.
Ein Arbeitnehmer, der aus wirtschaftlicher Not heraus weniger arbeiten muss oder kann, weil die Familie gepflegt werden muss, steht nicht zur Verfügung, wenn Betriebe auf Hochlast fahren – etwa in den Sommermonaten oder bei zeitkritischen Projekten. Das reduziert die Planungssicherheit für Auftraggeber und Betriebe gleichermaßen.
Betriebliche Perspektive: Retention und Attraktivität
Handwerksbetriebe müssen ihre Mitarbeiter halten. Gute Fachkräfte sind schwer zu ersetzen und kosten in der Ausbildung erhebliche Ressourcen. Wenn das soziale Netz rund um Pflege nicht gut genug geknüpft ist, verlieren Betriebe ihre Leute früher als notwendig. Das trifft besonders Betriebe in ländlichen Regionen, wo der Arbeitsmarkt ohnehin angespannter ist und Fahrtzeiten zu Pflegepersonen größer werden.
Gleichzeitig könnten Betriebe durch strukturierte, transparent kommunizierte Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege – etwa flexible Arbeitszeiten während bestimmter Lebensphasen – an Attraktivität als Arbeitgeber gewinnen. Das ist auch ein Nachwuchsthema: Junge Menschen wollen wissen, dass ihre späteren Arbeitgeber Familie und Karriere nicht gegeneinander ausspielen.
Perspektive für die Branche
Es ist sinnvoll, dass GaLaBau-Verbände und Betriebsräte diese Diskussion nicht nur als reine Sozialpolitik verstehen, sondern als Fachkräftethema. Wenn das Rentensystem pflegende Angehörige künftig weniger unterstützt, hat das unmittelbare Konsequenzen für die Verfügbarkeit von Arbeitskräften in körperlich anspruchsvollen Berufen. Die Branche sollte diese Entwicklungen beobachten und ihre Positionen in den politischen Dialog einbringen – nicht aus sozialen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen.
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Themenquelle (Inspiration): Tagesschau Inland · Originalbeitrag
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