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Handwerk 17. April 2026

KI-Trends im Handwerk: Kommunikation als unterschätzter Erfolgsfaktor – warum sie gerade jetzt zur Superkraft wird

Was ChatGPT, Claude, Gemini, Le Chat und Co. fürs Handwerk leisten können: Darüber schreibt Redakteurin Irmela Schwab in ihrer Kolumne über künstliche Intelligenz im Handwerk. Die 9. Folge von "KI-Trends…

KI-Trends im Handwerk: Kommunikation als unterschätzter Erfolgsfaktor – warum sie gerade jetzt zur Superkraft wird
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Was ChatGPT, Claude, Gemini, Le Chat und Co. fürs Handwerk leisten können: Darüber schreibt Redakteurin Irmela Schwab in ihrer Kolumne über künstliche Intelligenz im Handwerk. Die 9. Folge von "KI-Trends im Handwerk" zeigt, wie Betriebe gute Kommunikation aufbauen – und damit direkt ins Herz des Kunden treffen.

Kommunikation galt lange als „Soft Skill“. Eines der vielen Dinge, die man irgendwie mitbringt oder nebenbei erledigt. Gerade im operativen Business oder im Handwerk, wo der Fokus eher auf Leistung, Effizienz und Fachkompetenz liegt. Interessant: Ausgerechnet die Maschinen-Intelligenz der generativen KI zeigt nun, wie falsch wir mit diesem Verständnis liegen.

Denn in einer Arbeitswelt, die von Zeitdruck, Fachkräftemangel und digitaler Transformation geprägt ist, wird eines immer deutlicher: Kommunikation ist kein Nice-to-have, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Im Gespräch mit Kommunikationsexpertin Conny Thalheim wird klar, warum gerade jetzt ein Umdenken notwendig ist. Zwischen künstlicher Intelligenz, verkürzter Aufmerksamkeitsspanne und steigenden Kundenerwartungen entsteht eine neue Arbeitswelt– und in dieser wird Kommunikation zur echten Differenzierung.

Kommunikation ist immer verfügbar, kostet null Euro – und ist im Gegensatz zu aufwendigen Technologien leicht zu integrieren. Dennoch wird sie oft unterschätzt. Gerade in Zeiten von Automatisierung und künstlicher Intelligenz liegt darin eine enorme Chance: Unternehmen, die bewusst kommunizieren, schaffen nicht nur bessere Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitern, sondern sichern sich auch einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Wer über KI sucht, kauft schneller. Diese These hat Timo Benzin im März auf dem W&V Summit gezeigt. Internetnutzer, die sich über ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung informieren, kommen über AI Overviews und den AI Mode (die ausgewählte Resultate zusammenfassen) deutlich schneller zu einer Kaufentscheidung, so führte es der Datenexperte bei Google Deutschland aus. Seine Zahlen belegen: 77 Prozent der Nutzer entscheiden schneller, 75 Prozent fühlen sich dabei sicherer in ihrer Wahl. Was früher mehrere Klicks und Vergleiche erforderte, geschieht nun in einem einzigen Schritt.

Ein Schritt weiter – und wir sind schon mitten im sogenannten Agentic Commerce. Darüber sprach Benzin in seinem Vortrag „Future of Search & Agentic Commerce“. In dieser neuen Ära des Online-Handels treten KI-Systeme aktiv als Vermittler zwischen Recherche und Kauf auf. Wenn ein Nutzer nach einer Winterjacke sucht, erhält er direkt eine vorselektierte Produktauswahl – samt Kaufoption. Wenn er nach einer Handwerksleistung sucht, erwartet er es ebenso.

Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Wer in diesen KI-gestützten Empfehlungen nicht auftaucht, existiert für einen wachsenden Teil der Käufer schlicht nicht. Ohne "maschinenlesbare" und direkt buchbare Angebote wird ein Anbieter im Zweifel gar nicht mehr berücksichtigt. Was heißt das konkret? Hier sind die wichtigsten vier Learnings und klare To-dos fürs Handwerk:

KI-Agenten lesen keine Websites wie Menschen, sondern bewerten strukturierte Informationen. Um sich auf den neuen Mechanismus einzustellen, sollten Handwerksbetriebe

Agenten optimieren auf Geschwindigkeit: Wenn kein direkter Abschluss möglich ist, wird der nächste Anbieter gewählt. Ziel ist es daher, den Weg vom ersten Kontakt bis zum Auftrag ohne Medienbruch ebnen. Das heißt für Handwerksbetriebe:

KI-Agenten entscheiden nicht emotional, sondern datenbasiert – wobei sie auch den Faktor "Vertrauen" bewerten. Handwerksbetriebe sollten daher

Individuelle Angebote "auf Anfrage" funktionieren schlecht in automatisierten Auswahlprozessen. Besser ist es, schnell vergleichbare und buchbare Leistungen anzubieten. Und das geht so:

Agentic Commerce wird oft über Plattformen und Schnittstellen laufen. Die Vergangenheit hat gezeigt: Wer zu spät kommt, wird abhängig. Das To-do fürs Handwerk lautet daher, selbst für Sichtbarkeit zu sorgen und somit die Kontrolle zu behalten:

Mit Agentic Commerce verschiebt sich der Wettbewerb grundlegend: Es reicht nicht mehr, gut zu arbeiten – man muss auch so aufgestellt sein, dass KI-Systeme einen auswählen können. Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Struktur, Geschwindigkeit und Vertrauen werden zur neuen Währung im Wettbewerb.

Übrigens: Ein zusätzlicher Hebel, der dabei oft unterschätzt wird, liegt in barrierefreien Websites, die seit diesem Jahr für viele Firmen Pflicht sind (darüber berichten wir in der April-Ausgabe von handwerk magazin). Die Anforderungen an klare Struktur, verständliche Inhalte und saubere technische Umsetzung helfen nicht nur Menschen, sondern auch KI-Systemen, Inhalte besser zu erfassen und zu bewerten.

KI nutzen macht Spaß und bringt schnell Ergebnisse, doch kostet das auch seinen Preis: Wenn wir zulassen, dass uns ChatGPT, Gemini und andere Tools tägliche Entscheidungen abnehmen – opfern wir damit nicht unser eigenständiges Denken? Unser schwer erarbeitetes Know-how, erlernte Kompetenzen samt unserer Intuition, über die wir spüren, wenn etwas falsch läuft?

Denn diese Entwicklung läuft falsch, wenn wir sie einfach so passiv passieren lassen. Über Worst-Case-Szenarien sprachen vor Kurzem Unternehmer rund um den Globus der internationalen Konferenz DLD in München. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Deutschland, den USA oder Indien – alle plagte die Frage: Was ist, wenn die generative KI menschliche geistige Fähigkeiten reduziert und uns abhängig macht?

Von der „Hilflosigkeit ohne Computer“ – wie es Pegor Papazian, Gründer eines Tech-Instituts in Armenien, formulierte – bis hin zur kompletten Ohnmacht, reichten die düsteren Prophezeiungen. So sei KI-Kontrolle unklar und potenziell gefährlich, verkündete Stuart Russell, der Informatik an der University of California in Berkeley lehrt. „Wir wissen nicht, wie wir diese Systeme kontrollieren. Wenn ein KI-System in Gefahr gerät, ausgeschaltet zu werden, wird es nahezu alles tun, um das zu verhindern.“

Ohne Kontrollmechanismen bestehe tatsächlich bei KI-Trends das Risiko, dass KI Handlungen ausführt, die nicht mehr menschlich steuerbar seien, so Russell, der mit seinem Buch „Künstliche Intelligenz. Ein moderner Ansatz“, das erstmals in den 1990er-Jahren erschien, als Mitbegründer der Supertechnologie gilt. Als er die erste Edition schrieb, so gestand er auf dem DLD, hatte er einen fundamentalen Gedanken nicht berücksichtigt: „Eine KI darf keine eigenen Ziele haben. Sie muss ausschließlich menschliche Interessen verfolgen.“ Ist es jetzt zu spät dazu? Oder kann man noch etwas tun, damit KI-Trends uns dienen anstatt umgekehrt?

Nicht nur in Armenien und den USA arbeitet man an Lösungen – auch hierzulande macht man sich Gedanken. Selbst im Handwerk, wo die KI vermeintlich noch weniger Einfluss hat. In seiner täglichen Praxis als soloselbstständiger Handwerker sieht Oliver Nimz ein gefährliches Phänomen. „Wir behandeln KI wie eine neue Art von digitaler Tapete“, skizziert es der Maler, Bodenleger sowie Schimmelsanierer aus Rostock. Ein bisschen prompten hier, ein bisschen prompten da – und über die glatte Oberfläche freuen?

Nimz vergleicht diese Art des Promptens mit Tapezieren: Es macht die Optik schön, aber es sagt nichts über die Tragfähigkeit aus. „Wahre Souveränität im Handwerk erreichen wir nur durch Mauern – das ist das Engineering.“ Was er damit meint, ist, dass man die logische Statik hinter den KI-Trends verstehen muss. „Führen und anleiten“ anstatt „einfach mal machen lassen“.

Ebenso wichtig findet er es, dass KI-Trends echte Vorteile bieten sollen. KI einfach nur nutzen, schafft schließlich noch keine Erleichterung im Arbeitsalltag. „Oft wird uns KI als reiner Zeitgewinn verkauft“, sagt Nimz. Der Maler hat daher eine rechnerische Modellierung entwickelt, um die „Milchmädchenrechnungen der Software-Anbieter“ – wie er es nennt – zu entlarven. Um den wahren Wert der KI für einen Betrieb zu berechnen, rät er zur Formel: NN = G – V – K.

Während Pegor Papazian auf dem DLD als Lösung das Lernen auf einem anderen Level vorstellte, in dem KI als eine Art erweitertes Wissen dient, hält sich Oliver Nimz an seine smarte Formel: „Ist V + K größer als G, ist der Einsatz von KI betriebswirtschaftlich schädlich“, folgert er. Sein Rat: „Wir müssen lernen, diesen Netto-Nutzen ehrlich zu kalkulieren, statt blind dem Hype zu folgen.“

Nicht zu wissen, wie die KI Informationen verarbeitet und uns präsentiert, war auch auf dem DLD ein großes Thema. „Es ist extrem schwierig, etwas zu kontrollieren, das intelligenter ist als wir“, sagte Stuart Russell. „Der Kern dieser Technologie ist, dass sie nicht entworfen, sondern gewachsen ist. Nurmehr Lizenznehmer von Blackbox-Systemen zu sein, das mag sich auch Oliver Nimz nicht vorstellen. Er sagt: „Wenn die KI einen Fehler macht, können wir ihn nicht korrigieren, weil wir keinen Zugriff auf die Logik haben.“

Was jetzt? Einerseits können wir mit den KI-Trends kaum mithalten, weil KI eben schneller analysiert und auf sämtliches Wissen der Welt zurückgreifen kann. Andererseits aber sollten wir nicht passiv unseren Verstand ChatGPT übergeben und dem Output der Systeme blind vertrauen. Vielmehr sollten wir:

Wir müssen mit den KI-Trends wachsen und ständig an Know-how im Umgang mit der Technologie dazulernen. Auf dem DLD stellte Pegor Papazian dazu eine simple Gleichung in den Raum. Sie lautet: „Kompetenz bringt Motivation. Motivation bringt Kompetenz.“

Effizienter werden, Kosten senken, schneller arbeiten – das führt bei vielen Menschen zu enormem Stress. Die Entdeckung der generativen künstlichen Intelligenz legt da noch einen Zahn zu. Oder steigert sie, ganz im Gegenteil, die Zufriedenheit und die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Zu diesem Thema habe ich in den vergangenen Wochen mit einigen Forschern und Beratern gesprochen sowie Unternehmern, die mit der KI bereits in ihrem Alltag arbeiten. Wie immer kommt es darauf an, wie man KI als Tool nutzt, so war der Tenor der Gespräche, also die Haltung dahinter. Ein gutes Vorbild ist Markus Hörmann, Geschäftsführer eines SHK-Betriebs in Friedrichshafen, der seinen Betrieb demnächst an seine Kinder Helena und Yannik übergeben wird.

Markus Hörmann zeigt Haltung allein bei der Sorgfalt, mit der er seine Tools aussucht. Er legt großen Wert auf europäische KIs. Mit diesem Anliegen hat er sich auch an uns gewandt – wir sollten doch mehr über Alternativen zu US-amerikanischen Systemen berichten, bat er. Schließlich sollte man sich als in Europa ansässiger Unternehmer doch unabhängiger von anderen Nationen aufstellen, allein schon, um datensouverän agieren zu können. Dass wir in Deutschland unsere Daten als unser Kapital nicht aus der Hand geben sollen, damit hat Hörmann sicherlich auch recht.

Und darum geht es Markus Hörmann, wenn er KI einsetzt. Egal, ob im persönlichen Bereich oder in der Arbeit: Die KI soll Leistungen nicht immer noch effizienter machen, sondern sie soll das Wohlbefinden steigern. Zu der Einsicht kam er, weil er sich intensiv in verschiedenen Foren, Gremien und Arbeitskreisen mit der Technologie beschäftigt. Das Buch „Das kann doch jemand anderes machen!“ von Sara Weber zeigte ihm außerdem, wie sich die KI sinnvoll in den Alltag verankern lässt. „Anstatt zu schildern, wie über KI alles noch effizienter werden soll, was den Stresslevel bei vielen eher noch erhöhen mag, zeigt Sara Weber die Chancen auf, die durch Automatisierung und Rationalisierung entstehen können“, schildert der Unternehmer. Das bedeutet für ihn: mehr Menschlichkeit, bessere Kommunikation und weniger Dauerstress.

Hörmanns Wunsch ist es, über die KI ein angenehmeres Arbeitsumfeld zu schaffen als dieses permanente „Vollgas von morgens bis abends“, wie er sagt: „Entscheidend ist ja, dass man die durch KI gewonnenen Freiräume nicht sofort wieder mit neuen Aufgaben zustopft.“

Für das Jahr 2026 steht sein Jahresplan zumindest schon fest. Mithilfe der KI ließ er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Coaching-Fragen zu Betriebszielen, aber auch persönlichen Wünschen und Ambitionen antworten und daraus einen gemeinsamen Jahreszielplan entwickeln. Um sein Ziel, europäische Tools zu stärken, weiterzuverfolgen, beschäftigt er sich an Lösungen wie Open Desk als einerAlternative zu Microsoft 365. Ich bin gespannt, was diese ambitionierten Ansätze den Hörmanns einbringen werden – und wünsche alles Gute für 2026!

Kommen die smarten Brillen nun doch? Seitdem Google 2012 mit Google Glass seine erste Brille auf Basis von Augmented Reality vorstellte, haben sich die Augenaccessoires bis heute nicht im Massenmarkt durchgesetzt. Mit Metas Ray-Ban-Brillen soll sich das ändern – so sieht es Christoph Krause, Innovationsberater beim Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk in Koblenz. Unter seinem Alias „Zukunftsmacher“ treibt er begeistert neue Technologien voran, und daher verwundert es nicht, dass er so eine Brille natürlich längst selbst besitzt – und gerne trägt. Allein schon, um auszuprobieren, was sich damit alles anstellen lässt.

Darüber, und wie die künstliche Intelligenz – die natürlich auch bei Metas Brille eingebaut ist – in Unternehmen künftig zum Einsatz kommt, habe ich mit dem Technologiefan gesprochen. Meine größten Aha-Momente daraus habe ich aufgeschrieben.

Sicher ist für Krause jedenfalls eins: Wenn KI-Trends in Unternehmen einziehen, benötigen die Mitarbeiter im Umgang mit der Technologie auch mehr Kompetenzen. Die Leute, die diese Prozesse steuern und technische Abläufe, Auftragsdaten, KI-Funktionsweisen und Produktionslogik zusammenführen, brauchen ein höheres Kompetenzniveau. Im Handwerk ist das etwa ein „Meister plus“.

Ein paar YouTube-Clips anzuschauen, reicht da nicht mehr aus, findet Krause: „Unsere Hackathons zeigen: Man muss KI-Interaktion praktisch geübt haben. Prompt Engineering lernt man erst nach 40 Durchläufen wirklich zu beherrschen. Man muss verstehen, wie Systemprompts aufgebaut sind und wie KI-Antworten einzuordnen sind. KI gibt immer eine Antwort – aber ob sie im Kontext stimmt, erkennt man nur mit Hintergrundwissen.“

In Sekundenschnelle einen flüssigen Text schreiben oder ein paar Ideen fürs Brainstorming zaubern: Was für den Menschen Mühe macht, ist für die künstliche Intelligenz kein Problem. Bing – und das hat sicherlich schon jeder mal ausprobiert – stehen da die tollsten Dinge, auf die man selbst nicht gekommen wäre. Und auch noch fein säuberlich geordnet.

Doch hat das jüngste Wunderwerk der Technik einen gewaltigen Haken: Viele Firmen lassen KI-Trends bzw. Tools noch nicht zu. Und während in ihrem Arbeitsalltag immer mehr Beschäftigte auf ChatGPT, Perplexity oder Gemini zurückgreifen, um sich schnell mal helfen zu lassen, stellen laut einer aktuellen Studie von Bitkom erst gut ein Viertel der Unternehmen die generative KI überhaupt offiziell zur Verfügung.

Bitkom spricht dabei von einer „Schatten-KI“, wenn Mitarbeiter in ihrer Lust auf KI-Trends unkontrolliert auf kostenlose KI-Dienste zugreifen – und dabei gegen die Regeln des EU AI Act verstoßen könnten. Besser, so rät es auch die Bitkom-Studie, tun Firmen also daran, Mitarbeitern eine sichere KI an die Hand zu geben und sie im Umgang damit zu schulen.

Warum zögern die Unternehmen dann noch? Darüber habe ich mit Marén Münstermann gesprochen, die KMU dabei begleitet, KI-Trends einzuführen und zu skalieren, um damit das Business voranzutreiben. Die sechs wichtigsten Punkte aus unserem Gespräch:

Von Anthropic bis hin zu Claude und natürlich ChatGPT – immer mehr Handwerksbetriebe machen sich mit künstlicher Intelligenz smarter. Doch neben den vielen rechtlichen Hürden, die der AI Act behandelt, gibt es auch einige technische. Die schlimmste davon: der Cybercrime.

Dass dies nicht nur größere Konzerne, sondern vor allem auch kleinere Handwerksbetriebe betrifft, dazu habe ich mit Marcus Gerstmann gesprochen. Von Gerstmann, der beim Software-Hersteller Cisco den Bereich KMU betreut, habe ich viel Wissenswertes rund um die Hacker – ebenfalls „powered by KI“ – erfahren.

Und nein – es hilft jetzt nicht, der gesamten Digitalisierung den Rücken zu kehren. Damit stimmen wir in der Redaktion mit Marcus Gerstmann komplett überein: „Die Digitalisierung ist heute nicht nur ein Wettbewerbsvorteil, sondern eine existenzielle Voraussetzung dafür, dass Unternehmen die richtigen Fachkräfte bekommen. Im Handwerk fehlen 250.000 Fachkräfte pro Jahr“, so der Sicherheitsexperte. Im Klartext: Den Kopf in den Sand stecken gilt nicht! Betriebe benötigen neben einer guten Digitalstrategie eben auch ein modernes Netzwerk als Fundament für ihre Sicherheit.

Wer sich heute mit einer generativen KI beschäftigt, braucht sich um die vielen anderen Digitalisierungsaufgaben in der Firma nicht mehr groß zu kümmern? Schön wär’s! Denn auch wenn ChatGPT & Co. schon einige Arbeiten abnehmen, arbeiten die intelligenten Helfer ja nicht direkt in unserer physischen Welt. Logischerweise brauchen sie daher eine Software, an die sie andocken können.

Beispiel Voice-KI: Der Sprachbot kann noch so wunderbar menschenähnlich jeden Anruf annehmen, knifflige Fragen beantworten und mit Terminen jonglieren – aber: Wo sollen die vielen Informationen aus dem Anruf dann hin?

Darüber habe ich mit Bastian Strauß gesprochen. Als Bauingenieur, Energieberater und vor allem als Betonbauer kennt er die Bedürfnisse des Handwerks. Heute berät er Firmen, wie sie über digitale Tools ihr Business nach vorne bringen.

Als Szenario dafür, wie sich KI geschickt mit der – vielleicht schon vorhandenen – digitalen Infrastruktur verbinden lässt, haben wir uns die Einsatzplanung eines fiktiven Heizungsbauunternehmens angeguckt.

Bevor es losgeht, rät Bastian Strauß, sich zunächst „utopische Ziele zu setzen, um realistische zu erreichen“. Das heißt: Auf einem weißen Blatt Papier alles aufschreiben, was man sich in den kühnsten Träumen ausmalt, so der Berater: „Wie müsste der perfekte Prozess aussehen, damit ich mein ganzes Unternehmen automatisiert steuern könnte?“ Die Einsatzplanung ist dabei ein Baustein.

Wichtig: Diese Wunschabläufe kann nicht allesamt die KI erledigen, es gehört mehr dazu. Strauß: „Betriebe müssen anfangen, ihre Prozesse zu automatisieren, und dann können sie die KI als Sahnehäubchen obendrauf packen.“

Für den Sprachbot stehen mittlerweile einige KI-Tools zur Verfügung, die in Kombination Telefonate mit Kunden führen können. Zum Beispiel:

Viele Jahre lang galt eine Alleskönner-Software als Königsweg. Bastian Strauß plädiert dagegen für viele kleine Lösungen, die es über Schnittstellen – konkret: REST-APIs – ermöglichen, die KI anzubinden. Das bewerkstelligen natürlich auch komplexere Lösungen. Wer noch mehr selbst machen will: Über No- oder Low-Code-Tools lassen sich außerdem verschiedene Anwendungen selbst kreieren.

Wer schon über eine IT-Infrastruktur verfügt, kann natürlich ebenfalls damit arbeiten. Voraussetzung ist allerdings immer eine API.

Der KI-Bot ist zunächst als Praktikant zu betrachten. So erklärt es Bastian Strauß: „Wenn er telefoniert, sitze ich erst mal daneben und beobachte, wie er die Telefonate führt.“ Wenn er Fehler macht: Dann müssen die dahinterliegenden Informationen, auf die die Voice-KI zurückgreift, und auch der Prompt dahinter nochmals geprüft werden. Wenn es dann funktioniert, kann man dem Sprachbot mehr Freiheiten lassen.

Mensch und künstliche Intelligenz (KI) arbeiten heute als neues Dream-Team zusammen – und zwar seitdem ChatGPT und seine Kollegen immer mehr Einfluss gewinnen. Das gilt zum Beispiel für Content-Marketing, wo es darum geht, Texte für E-Mails, Webseiten, Newsletter, Blogs und Social Media zu verfassen. Gerade dabei helfen KI-Tools schon tatkräftig mit. Doch heraus kommt oft ein KI-Einheitsbrei – so erlebe ich das selbst. Bei meinem Besuch bei der Münchner Markenberatung Martin et Karczinskihabe ich es auch bestätigt bekommen.

In einem Workshop erklärte Peter Martin, Co-Gründer und Geschäftsführer von Martin et Karczinski, wie das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine funktioniert. Welche Stärken der eine und welche der andere hat. Die Antwort war so schlicht wie tiefschürfend: „Jeder Mensch ist anders. Sobald er seine Andersartigkeit erkennt und zum Lebensweg macht, kommt er in seine Superkraft und führt ein einzigartiges und erfülltes Leben.“

Mit diesem Leitgedanken führt Peter Martin auch seine eigene Markenberatung. In Technologie zu investieren ist für ihn das eine, das andere aber, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern, damit sie mit den Tools umgehen lernen anstatt sich von der rasanten Entwicklung überholt zu fühlen. „Das Verhältnis ist häufig 70 Prozent Technologie-Investition, 30 Prozent Mensch. Es sollte genau umgekehrt sein“, findet der Berater.

Der Wesenskern, der jeden Menschen ausmacht, ist daher auch das Merkmal, das sie oder ihn von der KI unterscheidet. „Die KI kann vieles, aber ihr geht eines ab: die Menschlichkeit“, bringt es Martin auf den Punkt. Das Problem ist, dass die Texte etwas hölzern wirken und von ihrem Ton her einander ähneln. Hallo, KI-Einheitsbrei! Daher sollte man die Inhalte:

Junge Menschen – wie auch Azubis und Berufsanfänger im Handwerk – können mit KI-generierten Inhalten auf der Website, im Blog oder auf Social Media nicht nur vorgeben, etwas zu wissen, sie beschäftigen sich beim Prüfen und Gestalten der Texte auch intensiv mit ihren beruflichen Themen und vertiefen somit ihr Wissen. Und können so mit den rasanten Entwicklungen, die durch die Digitalisierung und ihre Technologien entstehen, auch besser Schritt halten.

Für Handwerkschefinnen und -chefs bedeutet das konkret:

Das Gute daran ist: Das Bearbeiten eines mit ChatGPT und Co. erstellten Texts bietet nicht nur dem KI-Einheitsbrei Paroli. Es wirkt auch dem Phänomen entgegen, dass solche Inhalte von der eigenen Spezies abgestraft werden. Das heißt: In Suchmaschinen werden die KI-Texte nicht mehr gefunden, da sie als nicht so relevant eingestuft werden. Mit individuellen Texten im Gegenzug punkten Sie dagegen bei der KI-gesteuerten Suchmaschine – und machen sich sichtbarer!

Wie IT und Technologien das Leben verändern – und erleichtern: Das ist ein Thema, mit dem sich Irmela Schwab seit vielen Jahren beschäftigt. Bevor sie im Mai 2020 zum Handwerk Magazin kam, schrieb sie als Autorin für Fachpublikationen wie "Werben & Verkaufen" und "Marketing Kommunikation" über digitale Geschäftsmodelle und -strategien. Für die internationale Digital Business-Messe "Dmexco" hat Irmela Schwab das Konferenzprogramm erstellt und Vordenker und Manager für Vorträge über Robotics, Smart Home, Virtual Reality und Künstliche Intelligenz als Referenten geladen. Bei vielen Konferenzen wirkte die studierte Germanistin (LMU München) außerdem als Moderatorin mit.

Quelle: Handwerk Magazin · 17.04.2026
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Dieser Beitrag übernimmt Inhalte von Handwerk Magazin. Alle Rechte verbleiben beim Urheber.

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